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Interview mit Rasta Thomas

künstlerischer Leiter, erster Tänzer

 

1. War es ein Kindertraum, Tänzer zu werden?
Im Alter zwischen sieben und elf habe ich Ballett gehasst. Dann, als ich knapp elf Jahre alt war, mochte ich es plötzlich und bewunderte Tanzkünstler wie Michael Jackson und Michail Baryshnikov.

2. Hat jemand aus deiner Familie getanzt?
Nein, meine Eltern sind beide Physiker. Mein Vater betrieb engagiert und regelmäßig Kampfsport. Eines Tages schickte er mich ins Ballett, weil ich mich im Kampfsportunterricht schlecht benommen hatte. Er sagte, er würde mich in ein Tutu stecken, wenn ich mich dort nicht gut benehmen würde.

3. Und was ist dann passiert?
Als ich zehn Jahre alt war, meldeten meine Eltern mich an der Kirov Academy in Washington DC an, einer professionellen Ballettschule – weil ich es wollte! Übrigens habe ich dort meine Frau Adrienne kennen gelernt.

4. Gab es ein Lieblingsfach während der Tanzausbildung?
Ich mochte die Technik und die Grundlagen sehr, die das Ballett mir gab, aber ich habe immer gedacht, zeitgenössischer Tanz läge mir mehr. Doch am meisten schätze ich die Disziplin, die ich mir durch den Kampfsport aneignen konnte.

5. Kannst du dich erinnern, welches die erste Rolle war, die du auf einer Bühne tanztest?
Ich tanzte mehrere unterschiedliche Rollen in »Der Nußknacker«, als ich noch ziemlich jung war, aber die erste größere Rolle hatte ich in George Balanchines »The Prodigal Son« – wenn ich mich recht erinnere – als ich ungefähr 16 war.

6. Und welche Rollen mochtest du besonders?
Basilio in »Don Quixote« und den Albrecht in »Giselle« tanzte ich sehr gern. Aber auch die Titelrolle in Lar Lubovitch's »Othello« war wunderbar.

7. Dann nahm deine internationale Karriere ihren Lauf...
Seit ich meine erste Goldmedaille im Alter von 14 Jahren gewann, habe ich in der ganzen Welt getanzt, in über 20 Compagnien. Darunter waren zum Beispiel das Dance Theatre of Harlem, das American Ballet Theatre, das Kirov Ballett and das Chinesische Nationalballett.

8. Hast du etwas vermisst, während du mit den Compagnien unterwegs warst?
Ich war es bald leid, dass mein künstlerisches Potenzial nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Es sind nicht die Schritte allein, die den Beruf befriedigend machen, sondern auch die Gefühlswelt, eine gute Regie gehören dazu und die Vision, etwas wirklich Einmaliges und bisher nie da Gewesenes zu schaffen. Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass EINE einzige Compagnie mir das überhaupt hätte geben können ... so kam es zur Gründung der »Bad Boys of Dance«.

9. Also zur Gründung deiner eigenen Compagnie...
Ja, unsere erste Vorstellung gaben wir im Juli 2007 auf dem renommierten amerikanischen Tanzfestival »Jacob’s Pillow«.

10. Was ist das Besondere an deiner Compagnie?
Es gibt nur wenige Produktionen dieser Art, und ich glaube, »Rock the Ballet« vermittelt viel mehr als eine sogenannte normale Tanz- oder Ballettaufführung. Lauter junge Talente tanzen, teilweise sind sie erst 18 Jahre alt, meine Frau und ich choreografieren den gesamten Abend – wir sind ja auch erst 27 bzw. 28 Jahre alt – wir tanzen selbst und ich führe Regie. Ich staune jeden Tag erneut über unseren Erfolg, und ich bin dankbar dafür, dass mehr und mehr Menschen unsere Aufführungen sehen wollen.

11. Du möchtest gezielt ein junges Publikum ansprechen, oder?
Ich freue mich über jeden, der unsere Show besucht, doch würde ich wirklich gern noch für viel mehr Leute meiner Generation tanzen. Unsere Vorstellungen sprechen junge und ältere Zuchauer gleichermaßen an, doch Jüngere denken vielleicht, Theater sei nur etwas für alte und reiche Leute. »Rock the Ballet« verändert das gerade.

12. In Europa war »Rock the Ballet« zuerst im Hamburger St. Pauli Theater zu sehen. Mochte das Publikum die Show?
Unser Publikum im St. Pauli Theater war das beste Publikum, das wir je hatten! Für die Zuschauer dort zu tanzen, hat einfach riesigen Spaß gemacht. Ich hatte das Gefühl, sie genießen diese dynamische Tanzshow sehr. Sie sind auch der Grund für uns, nach Hamburg zurück zu kommen, mit einer noch besseren Show!

13. Wie ist das so, gemeinsam mit deiner Familie auf Tour zu gehen, mit deiner Frau, deiner Tochter und der Schwiegermutter zu reisen?
Es ist ein Geschenk, jeden Tag mit meiner Frau arbeiten zu können, mit ihr, meiner Tochter und der Familie gemeinsam reisen zu dürfen. Meine Familie gehört zu meinem Leben, und mein Leben wäre nicht vollständig ohne sie.

14. Deine Tänzer und du, ihr lebt in Maryland?
Wir leben alle in Maryland. Unsere Häuser sind in der Nähe des Studios, in dem wir trainieren, wir sind wie eine große Familie. Die Tänzer wohnen in unserem ehemaligen Haus; wir sind umgezogen, als unsere Tochter zur Welt kam, in Adriennes Heimatort. Die Tänzer leben in einer Wohngemeinschaft zusammen, wie Brüder!

15. Was sagen eigentlich deine Eltern heute zu deinem Beruf, wo sie doch Ballett als Strafe ansahen...?
Meine Eltern sind sehr stolz auf mich. Sie sind beide sehr erfolgreich in ihrem Beruf, insofern war es nicht immer einfach, sie zufrieden zu stellen. Aber sie lieben Tanz, und sie waren immer für mich da – auf meinem gesamten bisherigen Weg.

16. Eine Nachricht für das Publikum?
Bereitet euch auf eine unglaubliche Show vor!!!

Das Interview führte Dagmar Fischer